„Schüler unbürokratisch mit digitalen Endgeräten ausstatten“
veröffentlicht am 24. April 2020

Nordrhein-Westfälischer Lehrerverband: Zuschuss von 150 Euro für einkommensschwache Familien reicht nicht aus

Der Nordrhein-Westfälische Lehrerverband (NRWL) begrüßt die Pläne der Bundesregierung, zusätzliche 500 Millionen Euro für mobile Endgeräte für bedürftige Kinder aufzuwenden, um ihnen das Homeschooling zu erleichtern. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte am Donnerstag mitgeteilt, diese Summe zusätzlich zu den fünf Milliarden Euro des Digitalpaktes zur Verfügung zu stellen. Pro Schüler soll ein Zuschuss von 150 Euro angesetzt werden. „Das ist ein guter Beitrag, um die Bildungsungerechtigkeit etwas auszugleichen. Gerade in den vergangenen Wochen haben wir gesehen, dass Homeschooling manchmal gar nicht möglich ist, weil Kinder keine entsprechenden Endgeräte wie Tablets oder Computer haben“, sagt Andreas Bartsch, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands (NRWL).

„Allerdings ist mit 150 Euro kein Computer zu bezahlen, alle Beteiligten müssen sich nun Gedanken machen, wie einkommensschwachen Familien zügig und unbürokratisch geholfen werden kann“, betont Bartsch. Deshalb sind nach Ansicht des NRWL Nachbesserungen beim Digitalpakt unverzichtbar. Aus den Mitteln des Digitalpaktes dürfen bislang höchstens 20 Prozent insgesamt und höchstens 25.000 Euro pro Schule für die Anschaffung von Endgeräten ausgegeben werden. „Mit diesen Geldern können bestenfalls einzelne Tablet-Klassen an den Schulen ausgestattet werden. Es ist daher unerlässlich, dass zum einen die Deckelung auf maximal 20 Prozent der Kosten für Endgeräte aufgehoben wird. Außerdem brauchen wir eine Aufstockung der 500 Millionen Euro, damit wenigstens alle bedürftigen Schülerinnen und Schüler mit Leih-Endgeräten ausgestattet werden können“, fordert Präsident Andreas Bartsch. „Die angemessene Ausstattung jeder Schülerin und jedes Schülers mit den erforderlichen digitalen Endgeräten ist kein Luxus, sondern müsste im Jahr 2020 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.“

Die Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie hätten sehr deutlich die Defizite der Digitalisierung von Schule offenbart. „Kolleginnen und Kollegen haben im Rahmen ihrer unterschiedlichen technischen Ausstattungen an den Schulen ihr Möglichstes an E-Learning versucht. Dafür danken wir ihnen ganz besonders. Das war ein regelrechter Crashkurs in Sachen Digitalisierung für alle Beteiligten“, so Andreas Bartsch. Auch die Debatte um den Datenschutz bei der Nutzung von WhatsApp, Facebook oder Zoom durch die Schulen zeige, wie engagiert Schulen und Lehrkräfte versuchen, in der Corona-Krise ihre Schülerinnen und Schüler über jeden erreichbaren Kommunikationskanal anzusprechen.

„Jetzt gilt es mit Vollgas den Digitalpakt an den Schulen umzusetzen, damit in den kommenden Monaten, solange die Pandemie uns alle noch fordert, Blended Learning möglich ist, also eine Mischung aus Präsenzunterricht und Online-Lernen zu Hause“, erklärt Bartsch. Allerdings bringe die Ausstattung mit Endgeräten nur etwas, wenn auch an der Schule eine funktionierende Lernplattform vorhanden ist.

Nordrhein-Westfalen hat es bislang nicht geschafft, eine funktionierende digitale Schulplattform aufzubauen. Seit 2015 wird LOGINEO NRW im Auftrag des Schulministeriums entwickelt. Wegen technischer Probleme wurde die Einführung im Oktober 2017 zeitweise ausgesetzt. Mittlerweile wird die Plattform an Schulen unterschiedlicher Schulformen getestet und weiter optimiert. „Das Fehlen einer offiziellen schulischen Kommunikationsplattform macht sich jetzt bemerkbar bei denen, die ausschließlich auf LOGINEO NRW gewartet haben“, sagt Bartsch.

Der im Mai 2019 verabschiedete Digitalpakt sieht vor, dass die Kommunen in Abstimmung mit den Schulen die notwendigen Voraussetzungen schaffen müssen, damit digitaler Unterricht gelingt. Die fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt – für NRW stehen davon etwa 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung – werden aber nur zögerlich abgerufen. Bislang seien erst 30 Prozent der Mittel nachgefragt worden, berichtet der NRWL. „Es gibt durchaus Schulen, die in der Vergangenheit schon für eine gute technische Infrastruktur wie W-LAN oder Notebooks gesorgt haben. Doch das Bild gleicht eher einem Flickenteppich, flächendeckend stecken wir hier in NRW noch in den Kinderschuhen“, bedauert Bartsch.