PISA-Studie: NRWL fordert Konsequenzen statt Schuldzuweisungen

veröffentlicht am 8. September 2026

Präsident Meik Bruns: „Gute Bildung braucht gute schulische Rahmenbedingungen – Lehrkräfte dürfen nicht zum Sündenbock gemacht werden“

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 müssen aus Sicht des nordrhein-westfälischen Lehrerverbandes (NRWL) ein Weckruf erster Güte für die Bildungspolitik sein. Gleichzeitig warnt Verbandspräsident Meik Bruns davor, die erneut sichtbar werdenden Schwierigkeiten bei grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen reflexartig dem deutschen Schulsystem oder den Lehrkräften anzulasten.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Deshalb brauchen wir jetzt keine neuen Schuldzuweisungen, sondern eine ehrliche Debatte darüber, welche Voraussetzungen Schule braucht, damit Kinder und Jugendliche erfolgreich lernen können“, sagt Bruns.

In diesem Zusammenhang sieht der nordrhein-westfälische Lehrerverband besonderen Handlungsbedarf bei der frühzeitigen Sprachförderung. Gute Sprachkenntnisse seien eine wesentliche Grundlage für den gesamten weiteren Bildungsweg. Wer bereits bei der Einschulung erhebliche sprachliche Defizite habe, starte mit einem deutlichen Nachteil in die Schulzeit.

Die Einführung der ABC-Klassen in Nordrhein-Westfalen sei deshalb grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, erklärt Bruns. „Allerdings gibt es auch bei diesem Modell noch Punkte, die wir kritisch sehen und die weiterentwickelt werden müssen.“

Sprachförderung muss vor der Grundschule beginnen

Entscheidend sei vor allem, deutlich früher anzusetzen. „Sprachförderung darf nicht erst in der Grundschule beginnen. Wir brauchen eine verlässliche Sprachdiagnostik im Vorschulalter und anschließend verbindliche Förderangebote für die Kinder, die diese Unterstützung benötigen“, fordert Bruns. Gerade Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien brauchen frühe Hilfe. Das so genannte Startchancen-Programm sei ein Instrument, das zukünftig hoffentlich Erfolge bringe, sagt Bruns.

Auch beim weiterhin bestehenden Lehrkräftemangel sieht der Verband die Landespolitik in der Pflicht. Gute Unterrichtsqualität brauche ausreichend qualifiziertes Personal und verlässliche Rahmenbedingungen. Es könne keine Dauerlösung sein, Schulen mit fachfremdem Unterricht, zusätzlichen Aufgaben und immer neuen Anforderungen aufzufangen. PISA habe gezeigt, dass die Länder besser abschneiden, die ausreichend Lehrkräfte im System haben.

„Guter Unterricht ist unser Kerngeschäft. Dafür brauchen Lehrkräfte Zeit, kleinere Lerngruppen, fachliche Expertise und pädagogische Kompetenz“, betont Bruns. Es habe keine guten Auswirkungen auf den Unterricht, wenn Kolleginnen und Kollegen dauerhaft am Limit arbeiteten und gleichzeitig immer mehr Aufgaben übernehmen sollen.

Der nordrhein-westfälische Lehrerverband fordert die Landesregierung deshalb auf, die PISA-Ergebnisse zum Anlass zu nehmen, die bildungspolitischen Prioritäten engagiert weiterzuverfolgen. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes eine konsequente vorschulische Sprachförderung, die Stärkung grundlegender Kompetenzen insbesondere im Lesen, eine hochwertige Lehrkräfteausbildung und eine nachhaltige Strategie gegen den Lehrkräftemangel. Gleichzeitig müssten Schulen von Bürokratie und Aufgaben entlastet werden, die nicht zum eigentlichen Bildungsauftrag gehören.

„Nordrhein-Westfalen muss sich wieder stärker auf das konzentrieren, worauf es in Schule ankommt: guten Unterricht, klare Leistungsanforderungen und die individuelle Förderung unserer Schülerinnen und Schüler“, erklärt Bruns abschließend. „Wer bessere Bildungsergebnisse will, muss die notwendigen Bedingungen dafür schaffen: Zeit für guten Unterricht.“

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